Keine kleinen Brötchen - zu Besuch bei Pronorm

Pronorm

Keine kleinen Brötchen

07. Juli 2022, 14:59
Mittendrin: Roger Klinkenberg, Thorsten Gösling

Beim Küchenbauer Pronorm in Vlotho wurden in den letzten Jahren Investitionen angestoßen, die zum einen mehr Menge ermöglichen werden. In erster Linie aber soll die Fertigung schneller und noch flexibler werden.

Seit zwölf Jahren gehört Pronorm inzwischen zur De Mandemakers Groep (DMG). Das ist nicht immer einfach in der Kommunikation mit den Kunden, weil oft erklärt werden muss, dass die DMG-eigenen Kanäle nicht bevorzugt behandelt werden. Pronorm ist ein eigenständiges Unternehmen. Gerade damit sind sie in Vlotho zufrieden. „Wir dürfen das Unternehmen führen, als wäre es unser eigenes“, sagt Thorsten Gösling, der Ende 2019 gemeinsam mit Roger Klinkenberg Langzeit- Geschäftsführer Heinz Hachmeister abgelöst hat. „Das tun wir auch“, ergänzt Klinkenberg. Dazu gehört allerdings auch, dass es nicht den großen Topf gibt, aus denen der Inhaber in Waalwijk die Investitionen in Vlotho finanziert. Investitionen muss Pronorm selbst stemmen und hat zuletzt einiges in die Hand genommen.

Besuch am Pronorm-Standort Ende Mai – die erste Woche im Betrieb ohne Maskenpflicht. Ungewohnt. Die Outsiderin steht noch etwas verklemmt neben den beiden Pronorm-Geschäftsführern, aber es gibt schließlich einiges zu zeigen. Seit Jahresanfang ist eine neue, 2.500 qm große Produktionshalle in Betrieb. Auch eine neue Frontenbearbeitungslinie wurde geliefert. Nun soll ein neues, vollautomatisiertes Plattenlager für schnellere Prozesse und mehr Flexibilität sorgen. Wir betreten das Werk an der Seite des Plattenlagers. Hier werden künftig Halbformatplatten angeliefert; die Warenannahme für alle anderen Materialien befindet sich an der gegenüberliegenden Seite des Gebäudes. Mit der Zentralisierung der Läger hatte das Unternehmen vor drei Jahren schon begonnen. Die Herausforderung der jüngsten Investitionen war und ist die Transformation bei laufendem Betrieb, eine Operation am offenen Herzen.

Plattenlager Pronorm Fotor

Neues Plattenlager

Beim INSIDE-Besuch Ende Mai waren Plattenlager und eine zweite Combi.cut-Aufteilsäge noch in der Installationsphase; eine dritte Aufteilsäge war vor der Auslieferung. In Zeiten knapper Sägekapazitäten bei den Holzwerkstofflieferanten ist das eine wertvolle Investition. „Das waren bislang bloß die Vorarbeiten. Jetzt fangen die Ausbauarbeiten richtig an“, sagt Thorsten Gösling. Es wird einiges verschoben in den Hallen. Bis zum Sommer 2023 soll zudem in der Korpusvorfertigung Losgröße 1 eingeführt sein. Große räumliche Erweiterungsmöglichkeiten gibt es am Standort nicht mehr; und ein neues Werk ist nicht geplant. Eine Kapazitätssteigerung muss also durch Maschineninvestitionen und die Neuorganisation der Fertigung erreicht werden. Die Kapazitäten in der Vorfertigung werden durch die aktuellen Investitionen gesteigert; die Montagekapazitäten will Pronorm dann in den nächsten fünf Jahren erweitern.

Mittelfristig wird Pronorm seine Kapazität auf 400.000 Schränke bzw. 40.000 Küchen pro Jahr ausbauen. Zuletzt waren es 340.000 produzierte Typen und fast 100 Mio Euro Umsatz – noch ohne Preiserhöhungen, die folgten erst zum Jahreswechsel 2021/2022. ___STEADY_PAYWALL___Konkret verbesserte der Küchenbauer seinen Umsatz 2021 wie im Vorjahr um 14 Prozent und kam auf 98,7 Mio Euro vor Erlösschmälerungen. Nach wie vor ist das Auftragspolster hoch, so dass auch 2022 mit einem Plus ausgehen wird. Geplant sind 10 bis 14 Prozent Wachstum auf 112 bis 114 Mio Euro Umsatz – allerdings werden hier natürlich auch Preiserhöhungen und Teuerungszuschlag eine Rolle spielen. Der Durchschnittsverkaufspreis einer Pronorm-Küche samt Geräten und Zubehör liegt nach Unternehmensangaben zwischen 15.000 und 17.000 Euro.

Das Umsatzwachstum der vergangenen Jahre ist zum Teil auf eine positive Marktentwicklung zurückzuführen – auch die Pronorm- Kunden legen zu. „Aber auch auf viele Neukunden“, sagt Roger Klinkenberg. Richtig durchstarten will Pronorm nun unter anderem in Österreich, wo zu Pronorms Nobia-Zeiten die frühere Schwestergesellschaft Ewe/FM das Hausrecht hatte. Im Herbst hatte sich Pronorm an der Küchenwohntrends in Salzburg beteiligt und ist nun nach einem zwischenzeitlichen Versuch mit eigenem Außendienstler seit einigen Monaten mit der Handelsvertretung von Manfred Eichinger gut unterwegs.

Wichtige Märkte sind die Niederlande, Belgien, die Schweiz und UK und seit ein paar Jahren auch Frankreich. Auch den deutschen Markt wollen sie in Vlotho nochmal stärker ins Visier nehmen. Klinkenbergs Argumente: Sortimentstiefe und Differenzierungsmöglichkeiten, Materialalternativen durchgängig durch alle Produktlinien und nicht zuletzt das Plattformkonzept. Dieses macht das Produkt für die Verkäufer einfacher, weil sie nicht ständig Ausnahmen berücksichtigen müssen.

Auf die Plattform setzt auch die im letzten Herbst vorgestellte und seit dem zweiten Quartal lieferbare, vierte Produktlinie I-Luminate auf, die Pronorm selektiv vermarktet. Das I-Luminate-Konzept wurde um das 2020 entwickelte Beleuchtungsprofil herum entworfen, das produkttechnisch das Besondere an I-Luminate ausmacht. Die Kriterien für die Vermarktung wie Umsatzziele, Verkäuferschulungen und eine entsprechende Präsentation auf der Fläche sind vertraglich festgelegt. Mit 75 Verträgen ist Roger Klinkenberg „zufrieden für den Anfang“. Man müsse dranbleiben, bis die Verkäufer hinter dem Thema stehen und es pushen. I-Luminate wird eine eigene Webseite bekommen und bei Instagram und Pinterest Gas geben, aber auch Print-Anzeigen sind geplant. „Die jungen Generationen kennen keine Marke“, sagt Klinkenberg. Und: „Es gibt immer Möglichkeiten, Neues zu entwickeln.“ Beim Vorbild in Sachen Marke backt Klinkenberg keine kleinen Brötchen: In Vlotho hat man die Entwicklung von Bora genau beobachtet. Als Pronorm seinerzeit noch den Showroom in Bad Salzuflen hatte, hat Willi Bruckbauer dort als Gastaussteller die ganze Messewoche über Wasser gekocht und die Funktion seines Muldenlüfters gezeigt. Klinkenberg: „Genau wie Willi müssen wir unsere Leidenschaft auf die Straße bringen.“

Gösling und Klinkenberg sind gern mittendrin im Unternehmen und drehen an vielen Stellschrauben. Nicht die Produktion allein steht im Fokus der Investitionen. Dank einer neuen Photovoltaikanlage und einer neuen Holzfeuerungsanlage, die auch das Ende der großen Mülltonnen für Holzreste bedeuten wird, kann Pronorm bald auf Erdgas komplett verzichten und hat damit ein Problem weniger als viele andere Unternehmen. Diese Investitionen wurden freilich schon vor Beginn des Ukraine-Kriegs angestoßen. Ziel ist es, bis zum Jahresende klimaneutraler Möbelhersteller zu werden. In Sachen Nachhaltigkeit sucht man in Vlotho auch mal nach unkonventionellen Lösungen. „Nach dem Bau dieses neuen Zauns um das Firmengelände haben wir den alten Zaun nicht verschrottet, sondern bei Ebay Kleinanzeigen verkauft. Er steht jetzt bei einem Autohändler aus Polen“, erzählt Thorsten Gösling.

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