AKP-Arbeitsplatten in der Nahaufnahme

AKP-Arbeitsplatten

Neues Werk vor dem Start

02. Juni 2022, 10:43
Uwe Jessat, Sebastian und Dietmar Hirn

Ende Juli will der Thüringer Arbeitsplattenkonfektionierer AKP Carat im Industriegebiet Rohrer Berg an der A71 sein neues Steinwerk anlaufen lassen. Die Steinfertigung in der angemieteten Immobilie im Ortsteil Walldorf platzt aus allen Nähten, Maschineninvestitionen standen ohnehin an. Ins neue Werk wurden gut 10 Mio Euro wurden investiert. INSIDE war kurz nach Fertigstellung des Rohbaus zu Besuch in Meiningen, wo das Unternehmen aktuell mit 170 Leuten plus Leiharbeitern an drei unterschiedlichen Standorten produziert.

Eigentlich planen Dietmar Hirn und sein Sohn Sebastian Hirn zum Jahresende die Stabübergabe. Er sei dann 65 und werde sich aus dem operativen Geschäft zurückziehen, sagt Dietmar Hirn mehr oder weniger entschlossen. „Mal sehen“, kommentiert das sein Sohn. Dietmar Hirn steht auch 27 Jahre nach der Unternehmensgründung voll im Geschäft. Komplett raushalten wird er sich in absehbarer Zeit ganz sicher nicht. Aber er brauche auch Zeit für seine Hobbys — hinter denen sich ebenfalls kleine Unternehmungen verbergen: Koi-Handel und Akazienholz aus Thailand, das mit Technik aus dem Massivholzbereich von AKP zu kunstvollen Möbeln verarbeitet wird. ___STEADY_PAYWALL___

Hirns Freizeitaktivitäten waren es auch, die ihn in den 90er Jahren dazu brachten, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Damals war er in einer Innenausbaufirma angestellt. Zu DDR-Zeiten wurden Schrankwände produziert, später u.a. Arztpraxen eingerichtet. Viele seiner Kollegen zog es zum Arbeiten in den Westen. Hirn wollte das nicht. Vor allem aus einem Grund, wie er erzählt: Er machte samstags Musik. Wochenendschichten kamen da nicht in Frage. Zudem war in ihm schon lange der Wunsch gewachsen, sich selbstständig zu machen. Als ein Freund ihm riet: „Versuch’s doch mal mit Arbeitsplatten“, hat Hirn nicht lange gefackelt. Er verpfändete sein Haus, kaufte Maschinen und legte los. 1999 hatte er die Möglichkeit, für 500.000 DM ein ehemaliges DDR-Küchenwerk im Bodenweg zu übernehmen.AKP Stammsitz Fotor

„Man kann vieles schaffen, wenn man will“, davon ist Dietmar Hirn überzeugt. „Wir haben damals alles gegeben, Hauptsache, der Kunde war zufrieden. Leider ist die Bereitschaft vieler Menschen heute nicht mehr so da.“ In den fast 30 Jahren seit der Gründung hat Dietmar Hirn das Unternehmen mehrfach neu ausgerichtet. Angefangen mit Schichtstoffarbeitsplatten, machen heute Stein-Produkte zwischen 60 und 70 Prozent des Umsatzes aus. In die Konfektionierung von Stein-Arbeitsplatten (sprich: Mineralwerkstoff, Naturund Quarzstein sowie Keramik) ist AKP erst 2004 eingestiegen. Den Bereich verantwortet inzwischen Sebastian Hirn. Ebenfalls zum Sortiment gehören Glas- und Massivholzprodukte.

Im Vertrieb war AKP zunächst in der Region aktiv, weitete das Geschäft nach und nach auf das gesamte Bundesgebiet aus. Zwischenzeitlich wurden auch die ostdeutschen Küchenwerke wie Exado, Ratiomat und Eschebach beliefert, von denen heute nur noch wenige existieren. „Man muss sich andere Märkte suchen“, sagt Hirn heute. Aktuell entfallen etwa 80 Prozent des Umsatzes auf den Küchen- und Möbelhandel. Mit rund 22 Mio Euro im Jahr ist man die Nummer zwei im Markt nach Lechner. Namen wie Culinoma, Lutz, Höffner, Meda, Küche&Co sind unter den Kunden. Im Verbandsgeschäft beschränkt man sich auf GEDK und VME (vor allem wegen der Nähe zum VME-Händler Schulze in Rödental). Aus der Küchenindustrie zählen KH System und der norddeutsche Direktvermarkter Hano zu den AKP-Kunden. Der Export spielt aktuell eine untergeordnete Rolle. So wird es zunächst auch bleiben. „Auf dem deutschen Markt haben wir noch Potenzial genug“, sagt Dietmar Hirn.

Zweimal in der Firmenhistorie wurden auch andere Arbeitsplattenanbieter übernommen: Bauerfeind und Schmieder bei Berlin und WAV Arbeitsplatten nahe Pinneberg. Das Geschäft wurde schließlich bei AKP integriert; in Pinneberg besteht noch ein Stützpunkt. Seit 2019 ist AKP wieder voll in Familienhand. Zwischenzeitlich hatten 49 Prozent der Westag gehört. Was Hirn als „tolle Zeit“ umschreibt, endete mit der Übernahme der Westag durch Broadview. Mit dem niederländischen Investor kam Hirn strategisch auf keinen gemeinsamen Nenner, so dass er die Anteile schließlich zurückkaufte.

Juniorchef Sebastian Hirn ist 2009 ins Unternehmen eingetreten, seit 2020 Geschäftsführer. Von klein auf geplant war sein Eintritt ins Familienunternehmen nicht – Hirn ist studierter Geograph, hat in der Firma gejobbt und ist so Stück für Stück reingewachsen. Als sich abzeichnete, dass er bei AKP sein berufliches Zuhause gefunden hat, schloss er berufsbegleitend noch ein BWL-Studium ab. Aktuell wird noch ein weiterer Geschäftsführer gesucht, der unterstützen soll, wenn Dietmar Hirn sein Vorhaben wahr macht und sich aus dem operativen Geschäft zurückzieht. Jemand aus der Region soll es sein, nicht notwendigerweise aus der Branche. Die Nachfolge in der Vertriebsleitung wurde im vergangenen Jahr eingeleitet: Tilo Koitsch, der das Unternehmen über Jahre mit aufgebaut und vorangetrieben hatte, hat an Uwe Jessat übergeben.

Die Produktion im neuen Steinwerk soll nun Ende Juli anlaufen und bis zum Jahresende voll hochgefahren werden. Die Produktionsfläche vergrößert sich mit der Investition von 5.000 auf 8.500 qm. Kernstück der Anlage ist das Hochregallager mit automatischer Plattenzuführung. Am neuen Standort werden zudem 1.500 qm Ausstellungs- und Bürogebäude zur Verfügung stehen. Im Showroom wird AKP dann künftig Hausmessen veranstalten und auf Messepräsenzen in Köln und Löhne verzichten.

Neues Werk in spe Fotor

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