Skandinaviska Shakerkök

Andere Länder, andere Küchen

24. Februar 2021
Johan Daun und Gina Mannberg

Sie erinnern entfernt an die traditionelle Landhausküche und sind auf dem heimischen Markt wenig bekannt, die sogenannten Shaker-Küchen. In Schweden ist das anders. Dort ist der zeitlose, schlichte und teils strenge Stil recht beliebt.  

In Amerikas östlichen Bundesstaaten zeigt sich ein interessantes Phänomen: Stilbildendes ist von Schweden über den großen Teich in die USA gelangt. Sieht man da die vielen roten und hellblauen Farmhäuser vor sich, fällt die Ähnlichkeit mit den typisch roten schwedischen Landhäusern ins Auge. Nur sind sie eben deutlich größer im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Und auch im Inneren zeigt sich, was die ersten ausgewanderten Nordlichter an die Ostküste mitgebracht haben.  

Doch nicht nur von Ost nach West sind die Stil- und Einrichtungsimpulse gewandert. Eigentlich geschieht das ja vor allem andersherum. Und so kam, nicht erst kürzlich, aus Amerika ein Küchenmöbelstil, der so schwedisch scheint, als hätten´s die Schweden selbst erfunden– nämlich die Shaker-Küche.

Dem einen oder anderen mag der Begriff bekannt sein. Allerdings bringen ihn wenige in erster Linie mit Möbeln oder Küchen in Verbindung. Die Freikirche der Shaker war im 18. Jahrhundert in Amerika gegründet worden und ist aus dem Quäkertum hervorgegangen. Diese Glaubensgemeinschaft strebt nach einem Leben in Frieden, mit strenger Arbeitsmoral und Askese. Die Mitglieder leben ehelos und verzichten auf Privatbesitz. Und das spiegelt sich bis heute in ihrem Möbelstil wider, in dem Strenge und Schlichtheit die prägenden Merkmale sind. Ist die Gemeinde heute fast ausgestorben, lebt der Einfluss auf Architektur und Design bis heute weiter und zeigt sich deutlich in den schwedischen Shaker-Küchen. Dieser Stil ähnelt, durch die heimische Brille geblinzelt, einer schlichten Variante der traditionellen Landhausküche und ist im schwedischen Königreich sehr beliebt. Schlicht und klar sind die Attribute, die immer wieder hervorgehoben werden, zudem die zeitlose funktionale Nützlichkeit. Meist besteht die Shaker-Küche aus Modulen, die einzeln zusammengesetzt und einfach aufgebaut werden können. Sie lassen sich bei jedem Wohnungswechsel auch gut ins neue Heim mitnehmen oder anpassen – beispielsweise dank freistehender Range-Herde und frei einsetzbarer Spülbecken. Die Schweden sind nämlich recht mobil auf dem Wohnungsmarkt, gerade die Städter, was auch an den landestypischen Gegebenheiten beim Mieten und Häuserkaufen liegt.  

Stöbert der interessierte Küchenkunde also nach einer solchen Küche, stößt er in Schweden schnell auf die Shaker-Küchen. Viele Studios haben da ihre nordischen Varianten im Programm und selbst beim Einrichtungsriesen Ikea wird man fündig. Aber auch kleine Player tummeln sich im Shaker-Küchenmarkt.

Ganz und gar der modernen skandinavischen Ausprägung dieser Küchenart hat sich Skandinaviska Shakerkök verschrieben. Johan Daun und Gina Mannberg leiten das kleine Unternehmen, das 2017 in Malmö gegründet wurde. Daun hat in der Pharmaindustrie als Marketingdirektor gearbeitet und nebenbei viele Jahre lang in seiner Freizeit Häuser renoviert. Mannberg fotografiert derzeit gerade Shaker-Küchen für ihre Diplomarbeit an der School of Photography in Stockholm. Die Küchenentwürfe kommen von Rikard Jakobson, der aus Leidenschaft seit knapp 20 Jahren Holzküchen von Hand herstellt. Mit einer Tischlerei in Litauen arbeiten sie zusammen, außerdem mit zehn Schreinern und einigen freien Online-Beratern, die über die ganze Welt verstreut für Shakerkök digital und virtuell trommeln. Die Küchenschmiede ist ein kleiner Betrieb, der aber in den vergangenen Jahren, nach eigenen Aussagen, ganz ordentlich gewachsen ist. Gerade im Pandemie-Jahr 2020 lief es richtig gut, auch wenn Mannberg zum Umsatz nichts sagen möchte. Sie spricht lieber über die Nische, in die sich das Unternehmen gut eingefunden habe. Die Positionierung dort habe im verrückten vergangenen Jahr dafür gesorgt, dass es so gut lief, da ist sie sich sicher. Die Lieferzeiten liegen derzeit bei acht bis zwölf Wochen und bei einer Bestellung von über 7.000 Euro wird in Schweden kostenlos geliefert.

Bei Shakerkök wird alles in Handarbeit gefertigt und ausschließlich Massivholz verarbeitet. Die Farben und Oberflächenbehandlung sind nachhaltig, so gibt es Mannberg durch. Nachhaltig eben, das Thema, das die Schweden bereits seit so langer Zeit in so vielen Lebensbereichen und in so vielen Märkten verinnerlicht haben, dass man auch hier meinen könnte, sie haben`s erfunden.

Bis vor Kurzem waren die Malmöer mit ihren Naturprodukten noch die Einzigen, aber seit Kurzem gibt es noch weitere exklusive Shaker-Küchenanbieter. Kein Problem, meint Gina Mannberg, der skandinavische Markt sei groß. Zudem verkaufen die Südschweden ihre Küchen auch in die Niederlande –  ein wichtiger Markt. Und auch aus Deutschland kommen viele Anfragen. Allerdings machen Mannberg und Daun die Erfahrung, dass die deutschen Kunden sehr viele Fragen stellen, sich in den Details von vornherein gut auskennen, beim Kauf dann aber eher zurückhaltend und langsam sind. Eine Shakerkök-Küche gibt’s ab etwa umgerechnet 8.000 Euro. Die meisten Küchen kommen auf etwa 15.000 Euro, natürlich ohne Geräte, und nach oben ist die Preisliste offen. Jede Küche ist ein Einzelstück.

Einen Showroom hat Skandinaviska Shakerkök in Malmö, schön und zentral gelegen zwischen der Bibliothek und der Oper. Und einen weiteren gibt’s in Strängnäs in der südschwedischen Provinz Södermanland. Hier können sich die Kunden inspirieren lassen, durch die Küchenausstellung schlendern und alles anfassen und fühlen. Doch eigentlich ist Shakerkök ein webbasiertes Unternehmen, sagt Mannberg. Fast alles läuft also über die Social-Media-Kanäle. Online-Marketing spielt die zentrale Rolle, um mit den Kunden in Kontakt zu treten.

Und wer sind die Kunden? Ganz einfach alle Leute, meint Gina Mannsberg, die sich gern handgemachte Küchenmöbel aus Massivholz kaufen. Sie leben vor allem in älteren Häusern oder Wohnungen. Älter heißt in Schweden meist über hundert Jahre alt. Und klar, auch für die berühmten roten Sommerhäuschen an der Ostsee werden Shaker-Küchen gefertigt. Und wie sehen die Zukunftspläne aus? Mannberg versichert, Shakerkök möchte in seiner Nische bleiben und weiter alles in Handarbeit fertigen. Rationalisieren wollen sie in der kleinen Küchenmanufaktur nicht.

 

 

 

Zwei Fragen an Gina Mannberg:

Wie schätzen Sie den schwedischen Küchenmöbelmarkt ein?

Nicht nur im vergangenen Jahr wuchs der Markt ganz ordentlich, auch in den Jahren vor 2020 haben wir gute Wachstumsraten erkennen können. Wir finden, dass es in diesem Wachstumsmarkt ein besonderer Vorteil ist, einen so engen Fokus auf den hier bekannten und beliebten Shaker-Stil zu haben, mit unseren ausschließlich aus Massivholz gemachten Küchenmöbeln.

Skandinaviska Shakerkök ist ein webbbasiertes Unternehmen, spielen da die digitalen Kanäle und das hauseigene Planungstool eine wichtige Rolle?

Unbedingt. Wir testen laufend Möglichkeiten aus, was wir beim Online-Küchenverkauf alles machen können. Wir erreichen unseren Kunden direkt über die Social-Media-Kanäle, auf denen wir sehr aktiv sind. Und unser Planungstool wird häufig und intensiv genutzt. Die Hälfte der Kunden kommt kein einziges Mal in einen unserer Showrooms.

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