Unfitted / deVOL

Analog erwünscht

23. April 2021, 7:17
Foto: deVOL Kitchens, Cotes Mill: Werkstatt, Ausstellung, Arbeitsplatz und Ausflugsziel

Der britische Küchenmarkt tickt anders als der deutsche. Viel läuft über Baumärkte und Handwerk/Großhandel. Hier haben auch große Anbieter wie Howdens oder Magnet (gehört zu Nobia) ihre Schwerpunkte. Für kontinentaleuropäische Küchenbauer hieß es lange Jahre: Die Insel ist ein Projektmarkt. Stimmt nicht mehr ganz. Längst sind Der Kreis und MHK dabei, um unabhängige Küchenhändler für ihr Netzwerk zu werben. Das ist mühsam, aber sie bleiben dran und haben im Schlepptau deutsche Lieferanten. Nobilia ist seit Jahren mit dem eigenen Franchise-Netzwerk Kutchenhaus dabei, Nolte wiederum hat sich kürzlich die Überreste der früheren Alno-Franchise-Tochter Intoto geschnappt. Als Nummer 1 im Küchenmarkt bezeichnet sich seit ein paar Jahren der Newcomer Wren Kitchens. Der Durchstarter ist ebenfalls ein Einzelhändler - mit eigener Produktion. Es waren keine einfachen Zeiten. Erst seit wenigen Wochen hat der Handel in England wieder geöffnet. Beim Küchenverkauf während der Lockdowns mussten auch die britischen Händler auf Videoberatung setzen.

Neue Methoden, die nicht recht zum Stil jedes Unternehmens passen. Mit Unfitted und deVOL beleuchten wir hier hier zwei kleine Küchenbauer aus dem Königreich, die bewusst aufs Analoge setzen.

Die Unfitted Ltd hat ihren Sitz südlich von Birmingham, im malerischen und gerade mal 3.000 Einwohner großen Moreton-in-Marsh. Seit einem halben Jahrhundert stellt die Manufaktur hochpreisige Küchenmöbel in mittlerweile vier Werkstätten her - alles handgefertigte Maßmöbel. Beliefert werden Kunden in England und auf den Kanalinseln, aber auch auf den Kontinent und selbst nach Australien werden die Möbel verschickt. Alle beliebten englischen Küchenmöbel-Stile hat das Unternehmen im Portfolio, von der Grand Georgian über die Farmhouse bis hin zur Contemporary Kitchen, egal ob klassisch, modern oder freistehend oder eingebaut. Durchschnittlich kosten die Küchen zwischen 8.000 und 15.000 Pfund, und nach oben ist die Preisspanne offen. Die Lieferzeit gibt die Firma mit etwa zehn Wochen an. Außerdem gibt es noch Wurx, das ist die preisgünstige Linie im Angebot.

Während derzeit viele Küchenmöbelunternehmen auch in England um die neusten digitalen Tools zur Planung wetteifern, scheint bei Unfitted alles etwas gemächlicher vonstatten zu gehen. Klar, gibt es eine digitale Möglichkeit zur Küchenplanung, doch - und darauf legt man Wert - es geht auch analog. Bilder, Skizzen und Pläne auf Papier, wie die zukünftige Küche aussehen soll, sind vom Kunden ausdrücklich erwünscht. Als Vorgeschmack gibt's die Preise mit den verschiedenen Korpusvarianten ganz traditionell und gar nicht interaktiv als lange Liste auf der Website. Und natürlich kommt der echte Unfitted-Küchenplaner auch zum Kunden heim, idealerweise, wenn bei dem so richtig viel los ist in seiner Küche. Denn da lässt sich am besten und einfachsten ermitteln, wie es um die Funktionalität der neuen Küche bestellt sein soll. Und weil „live und persönlich“ für Unfitted einfach die unschlagbare Verkaufsunterstützung ist, soll der Kunde (sofern es gerade erlaubt ist) doch gern zur Besichtigung anreisen. Ins Hope House um genau zu sein, denn so lautet die Adresse des unternehmenseigenen Showrooms in Moreton-in-Marsh. Extra zur Vorbereitung für den Ausflug gibt's vom Küchenbauer Tipps für Hotels und Restaurants in der Gegend. Wer zusätzlich zu den Ausstellungsräumlichkeiten noch die nächstgelegene Werkstatt ansehen möchte, was natürlich ebenfalls vom Unternehmen empfohlen wird, ist dazu eingeladen. So soll man also geradezu urlaubend zur neuen Küche kommen.

Ähnlich macht es die englische Küchenschmiede deVOL Kitchens. Digital wird erklärt, wie die ganze Küchenplanung abläuft, aber am besten kommt man eben auch hier vorbei, schaut sich alles an und plant gemeinsam mit einem deVOL-Designer; da gibts dann noch die „behind the scenes“-Person, die während der Beratung und Planung dafür sorgt, dass der Kunde für die allermeisten Küchenwünsche seinen individuellen Plan nach dem Termin gleich unter den Arm klemmen und nach Hause mitnehmen kann. Mit zwei Showrooms ist das Unternehmen in London am Start. Zudem gibt es Cotes Mill, eine Wassermühle aus dem 16. Jahrhundert, die in den vergangenen neun Jahren immer wieder umgebaut und renoviert worden ist. - Das selbsterklärte Herzstück des Unternehmens und auch hier gilt, persönlicher Kontakt ist ausdrücklich erwünscht. Neben einer großen Küchenausstellung beherbergt die Mühle, am Ufer des Flüsschens Soar in der Gemeinde Loughborough gelegen, außerdem die unternehmenseigene Keramik- und Metallwerkstatt. Denn die vor über dreißig Jahren von den damaligen Designstudenten Philip deVries und Paul O‘Leary gegründete Manufaktur ist nicht allein mit maßgeschneiderten klassischen und modernen Küchen- und Badmöbeln unterwegs, sondern mit selbst hergestelltem Geschirr -  seit kurzem im neuen Onlineshop -  und Spülen ebenso wie mit Griffen, Haken, Lampen, Tischen oder Stühlen, die für die eigene Antik-Linie gefertigt werden. Etwa 160 Mitarbeiter sind insgesamt im Unternehmen beschäftigt. Produziert wird ausschließlich in den heimischen Werkstätten in Leicestershire, vermeldet deVOL Kitchens, vertrieben werden die Küchen direkt in die ganze Welt, auch nach Europa, und das soll auch so bleiben. Preislich liegen die Küchen etwa zwischen 12.000 und 50.000 Pfund.

Und um nahe beim Überseekunden zu sein, gibt es seit zwei Jahren einen Showroom in New York. Die englischen Küchen von deVol Kitchens sind nämlich auch dort recht beliebt, das gibt das telegene amerikanische Renovierungsehepaar Chip und Joanna Gaines von der Einrichtungsshow Fixer Upper dann doch digital durch.

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