Die erste Woche im Küchenhandel

Stimmen und Stimmungen

11. März 2021, 22:32
Seit Montag ist der Möbelhandel – teilweise – wieder auf. Es gibt viele Händler, die sich freuen das Verkaufen in Corona-Zeiten zu üben. Es gibt die Fachhändler, für die Terminshopping eh nahezu normales Geschäft ist. Und es gibt die Härtefälle, die sich nur noch veräppelt fühlen: Händler, die nicht wieder öffnen durften. Hier tut sich insbesondere die Großfläche schwer. Wir haben uns für unsere aktuelle Ausgabe von INSIDE Wohnen durch den Markt telefoniert, mit Vertretern von Verbänden, Fachhandel und Großfläche gesprochen. Ein paar Stimmen veröffentlichen wir auch hier auf INSIDE Küche.

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Küchen-Konzept Leipzig: „Zu tun ohne Ende“

Keinen Tag Kurzarbeit: Nadine Goos

„Wir haben zu tun ohne Ende“, sagt Nadine Goos, Inhaberin des Küchenring-Studios Küchen-Konzept aus Leipzig. Das liege allerdings nicht daran, dass seit Montag wieder auf Termin geöffnet werden darf. Das Geschäft sei auch während des Lockdowns gut weitergelaufen. Küchen-Konzept lebt ohnehin nicht von Laufkundschaft, sondern von Empfehlungen. „Geändert hat sich jetzt nur, dass Termine wieder im Laden gemacht werden dürfen. Wir waren ohnehin schon stark im Online-Verkauf, das gehört bei uns zum Tagesgeschäft“, sagt Goos. Und funktioniere auch bei Küchen für 40 bis 50.000 Euro. Und natürlich durfte das Aufmaßnehmen beim Kunden weiterlaufen. Goos: „Wir hatten nicht einen Tag Kurzarbeit.“ 

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Wohncenter Nordenham: Hin und Her

„Unsere Möbel beißen nicht“: Hendrik Lenz

Hendrik Lenz, Inhaber vom Alliance-Mitglied Wohncenter Nordenham hat sich in den letzten Monaten bemüht, mit einer Mischung aus Humor und ausgefallenen Services bei den Kunden präsent zu bleiben. „Wir haben verkauft“, sagt er. Seiner Einschätzung nach auch mehr als im Branchenschnitt, aber natürlich schiebt auch das Wohncenter ein dickes Minus vor sich her.

Aufmerksamkeitswirksame Aktionen waren ein Online-„Teleshopping“ für Polstermöbel. Das brachte zwar kaum Umsatz, aber eben Aufmerksamkeit. Der Möbel-Drive-in, den Lenz zwischenzeitlich vorm Möbelhaus aufgebaut hatte, wurde dagegen tatsächlich angenommen, auch Telefonverkauf. Küchen verkauft der Alliance-Händler wie viele andere auch ganz gut online mit Aufmaß beim Kunden.

Den Laden aufsperren durfte Lenz diese Woche nicht – obwohl erst anders kommuniziert. In Niedersachsen hieß es nämlich zunächst, dass der landesweite Inzidenzwert als Bemessungsgrundlage zähle, um Shoppingtourismus zu vermeiden. So ging das Wohncenter dann auch am Freitag vor einer Woche mit „Click & Meet“ in die Werbung. Am Samstag tauchte plötzlich ein zusätzlicher Paragraph 18a auf, laut dem in Hotspots (neu-norddeutsch: Hochinzidenzkommunen) doch strengere Regeln greifen. Und als Hochinzidenzkommune wurde der Landkreis Wesermarsch mit einer Inzidenz knapp über 100 dann am Sonntag vor der geplanten Öffnung auch definiert.

Das ist natürlich frustrierend. Anfang der Woche tat sich dann noch ein Schlupfloch für Bemusterungstermine im Möbelhaus auf. Der Vertragsabschluss muss dann nach der Bemusterung zwar auf Distanz stattfinden, aber immerhin ein Hausstand darf auf die Fläche. Besser einer als keiner. Um das Chaos komplett zu machen, wurde diese Möglichkeit wenig später dann noch auf die Sortimente Küche und Bad beschränkt. Weil die anderen Möbel wohl beißen, mutmaßt Lenz ironisch, der sich mit den Worten „Willkür“, „Hin und Her“ und „Wettbewerbsverzerrung“ in Relation zu seiner Lage noch sehr gemäßigt ausdrückt.

Schaumann: „Aufholjagd hat begonnen“

Einfach glücklich: Lena Schaumann

Bei Lena Schaumann vom Kasseler VME-Händler Möbel Schaumann ist die Freude über die Wiederöffnung rauszuhören: „Wir sind einfach glücklich!“ In Hessen gilt als Orientierung der landesweite Inzidenzwert. Das bedeutet, dass Schaumann in Kassel (Inzidenz knapp über 60) unter denselben Bedingungen öffnen darf wie Höffner im wenige Kilometer entfernten Fuldabrück (Inzidenz unter 50): mit „Click & Meet“.

Bei Schaumann macht man Termine telefonisch oder online, was bereits an den ersten beiden Tagen gut genutzt wurde. Für Freitag und Samstag der Woche waren Beratungstermine schnell komplett ausgebucht – wer einen Termin zum Schauen haben will, passt trotzdem noch rein ins Möbelhaus. Eingebuchte Kunden werden im Vorfeld schon angerufen und der Bedarf abgefragt, damit der passende Verkaufsberater zur Stelle ist.

Das hat in den ersten Tagen zu einer „super Abschlussquote“ geführt. Auch wer nicht zum gebuchten Termin erscheint, bekommt einen Anruf, bei dem erfragt wird, ob dem Kunden oder der Kundin geholfen werden kann. Das Nachtelefonieren, um zu erfragen, ob nicht vielleicht doch noch eine Lösung oder ein anderes Modell gefunden werden kann, ist bei Schaumann schon seit Jahren Praxis und funktioniert.

Durch die Lockdown-Zeit sei man „mehr schlecht als recht“ gekommen. „Wir haben Umsatz gemacht, aber weit weg von normal“, sagt Lena Schaumann. Aber: „Jetzt hat die Aufholjagd begonnen.“ Dass die Inzidenzen hochgehen und vielleicht wieder geschlossen wird, muss natürlich einkalkuliert werden, „aber wir haben doch im letzten Jahr alle gelernt, spontan zu sein. Wie es dann weitergeht, darüber machen wir uns dann Gedanken.“ 

Grimm Küchen: Zehn harte Wochen

Optimistisch: Stephen Grimm

Küchen digital verkaufen – das war immer schon ein heiß diskutiertes Thema in der Branche. Wie es real funktioniert und wo die Hürden dabei sind, das haben viele Küchenhändler gerade im vergangenen Lockdown gelernt – gezwungenermaßen. Grimm Küchen mit seinen acht Küchenstudios in Nord- und Südbaden macht da keine Ausnahme. Insofern waren die vergangenen Monate sicher eine interessante Zeit. Aber Grimm-Küchen-Chef Stephen Grimm zeigt sich erleichtert, dass seine Kunden dank Click & Meet jetzt wieder in allen seinen Studios begrüßt werden dürfen.

Die ersten zehn Wochen des Jahres waren eine Herausforderung und haben viel von dem aufgebraucht, was Grimm Küchen im vergangenen Jahr draufsatteln konnte. Da lag die badische Küchen-Größe mit ihrem deutsch-französisch-schweizerischen Kundenstamm bei einem Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr, das Messegeschäft einmal ausgenommen. Sicher, die Kosten für Mehrfahrten muss man dagegenrechnen, weil Geräte aufgrund der Lieferverzögerung bei den Herstellern nachgeliefert werden mussten oder Leihgeräte organisiert wurden.

Was nach Corona bleibt? Wenn es um kleine Änderungen bei der Küchenplanung geht oder um Kunden, beispielsweise aus der Schweiz, die für eine Fahrt ins Geschäft 150 Kilometer auf sich nehmen müssten, dann kann sich Grimm vorstellen, digitale Helfer wie eine Video-Beratung zu nutzen. Grundsätzlich werde die digitale Beratung nur eine Ergänzung sein, ist er sich sicher. Farben und Haptik kann man eben nicht an einem Bildschirm begutachten. Grimm: „Ich glaube tatsächlich, dass sich die Situation wieder normalisieren wird, wir die Verluste wieder aufholen und beim Umsatz wieder auf das Niveau von 2019 kommen.“ 

Küchenstudio Proform: Neue Projekte

Die Bude eingerannt: Yvonne Zahn

„Ganz normal“, sprich ohne Terminvereinbarung hat MHK-Mitglied Küchenstudio Proform aus dem baden-württembergischen Weinheim (Inzidenz unter 50) seit dieser Woche geöffnet. „Seit Montag rennen uns die Leute die Bude ein“, sagt Inhaberin Yvonne Zahn. Noch stärker als nach dem ersten Lock-down, so ihr Eindruck. Es war ja auch länger geschlossen. Und es gab einen Unterschied: Im letzten Frühjahr durfte das Unternehmen als Handwerksbetrieb Kunden auf Termin einlassen.

Das ging diesmal nicht. Zu tun hatte die Proform-Mannschaft dennoch die meiste Zeit über. Die Monteure sowieso. Lediglich für einen Zeitraum von zwei Wochen mussten Verkäufer für zwei Tage pro Woche kurzarbeiten. Das Beratungsgeschäft ging hauptsächlich mit Onlineplanungen weiter. Zu Papier gebracht werden muss das Gros der Aufträge allerdings jetzt erst – nun kommen die Kunden zum Bemustern und Unterschreiben ins Geschäft. Heißt: Anzahlungen fehlten und die Liquidität nahm zwischendurch ab. In der Bredouille gewesen sei man nicht, sagt Yvonne Zahn, aber sie habe begonnen, sich Sorgen zu machen. Den fehlenden Umsatz will Proform nun bis April aufholen.

Yvonne Zahn – nebenbei mit dem Blog Yvi‘s Küchen-Glück am Start – hat die letzten Monate für die Planung neuer Projekte genutzt und eine Marketingfirma gegründet, mit der andere Küchenstudios unterstützt werden sollen. Parallel ist eine Showküche in der Planung, in der Yvonne Zahn, ähnlich wie YouTube-Star Sally Özcan, E-Geräte erklären und Backvideos drehen will. Sogar ein Konditor für eine „Live-Bäckerei“ wird eingestellt.

Wenn die Showküche Ende Mai fertig ist, soll auch die Vermietung Geld einbringen. Gespräche mit Sponsoren für die Ausstattung aus Küchen- und Geräteindustrie werden schon geführt. Sollte Proform für die Überbrückungshilfe III antragsberechtigt sein, was nach wie vor nicht klar ist, könnten 40 Prozent des Invests von bis zu 30.000 Euro erstattet werden. Schließlich geht’s um Digitalisierung. 

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