Dinger Stone: Rock and Roll

Dinger Stone

Rock and Roll

30. September 2022, 10:33
Küchenhändlerin Sandra Rombach mit Raphael Dinger auf der Area30

Vom Handwerksbetrieb zum 15-Mio-Euro-Hidden-Champion: Dinger Stone ist aus dem Markt für Küchenarbeitsplatten nicht mehr wegzudenken – und arbeitet am weiteren Wachstum. Aus dem Handel hört man, es sei den Endingern gelungen, ein gutes Stück vom Lechner-Kuchen abzuschneiden.

„Wir sind Optimisten“, sagt Raphael Dinger, der gemeinsam mit seinem Bruder Simeon (38) beim Naturstein- Spezialisten Dinger Stone die Geschäfte führt. Das liege auch ein wenig an der Region, sagt er. „Wenn wir hier in Südbaden keinen schönen Flecken auf der Erde haben, wo denn dann?“ In Endingen am Kaiserstuhl ist die Firma seit 2017 auf einem 16.000 qm großen Betriebsgelände zu Hause – zuvor war das benachbarte Bahlingen der Standort für die familiengeführte Firma, die seit 2003 von der fünften Generation geleitet wird. Seit der Gründung 1885 hat sich einiges verändert. „Wir waren lange Zeit ein ganz normaler, kleiner Steinmetzbetrieb“, erinnert sich der 43-Jährige. Als die beiden Geschwister den Betrieb von den Eltern übernahmen, änderten sie die Ausrichtung. „Damals war die Baukonjunktur schlecht, das Geschäft nicht besonders einträglich. Wir haben nach einem Bereich gesucht, in dem Qualität eine besonders große Rolle spielt. Also haben wir uns ab 2004 auf Küchenarbeitsplatten und Material für exklusiven Innenausbau konzentriert.“

Ab 2006 kamen Küchenarbeitsplatten aus Quarzkomposit hinzu. Da haben sie sozusagen die Steine so richtig ins Rollen gebracht. Musiker und Monteure Heute führt das Duo ein Unternehmen mit 120 Mitarbeitern. In den 20 Jahren hat sich einiges getan: Immer wieder wurde der Maschinenpark modernisiert; im Jahr 2013 eine Schwestergesellschaft in der Schweiz gegründet. Schon lange ist Dinger Stone auch als Aussteller auf der Area30 zu finden. Los ging es mit Beckenmodulen aus massivem Stein, seit 2018 zeigt Dinger in Löhne seine Arbeitsplatten. Das selbstbewusste Firmenmotto der Dingers: „Stein im Blut. Seit 1885.“

Und zwischendurch ein paar Noten, könnte man hinzufügen. Raphael Dinger, gelernter Steinbildhauer, zog es zunächst Richtung Jazz und Popularmusik, Saxophon, so hieß die große Liebe damals. „Aber nach ein paar Jahren war für mich klar: Mein Baby, das ist die Firma.“ Und da arbeitet nun unter anderem ein Bassist (Marketing und Vertriebsunterstützung), stellt ein früheres Bandmitglied heute als Personaler neue Leute ein. „Und unseren allerersten Monteur, den habe ich über eine Jam-Session kennengelernt.“ Authentizität sei wichtig, nicht bloß Fachwissen. Von dem gibt es im Unternehmen einiges. Gearbeitet wird schließlich mit teuren Unikaten. Und da wollen Raphael Dinger und sein Bruder Simeon, ein gelernter Steinmetz, der in der Firma das Operative und den Einkauf verantwortet, nichts dem Zufall überlassen.

Natürlich sind nicht nur Handwerker und Musiker bei Dinger beschäftigt. Im Außendienst sind beispielsweise zwei ehemalige Lechner-Leute mit im Boot. Denn wenn beispielsweise aus einem zwei Tonnen schweren Block nach und nach eine Küchenplatte entsteht, die durch maschinelle und handwerkliche Bearbeitung natürlich noch einiges an „Gewicht verlieren“ muss, bevor sie dann schlussendlich von zehn Monteuren in den Neubau getragen werden kann, können viele Fehler passieren. „An erster Stelle steht die Qualität, Geschwindigkeit kommt dann erst als Sahnehäubchen obendrauf“, sagt Raphael Dinger. „Unsere Produkte müssen so gut sein, dass sie sich durchsetzen. Marketing und Werbung sind eigentlich unwichtig. Dein Produkt muss deine Werbung sein, so handeln wir hier.“ Preise und Prozente Hat sich wohl rumgesprochen. Nach Firmenangaben sind mehr als 1.000 Firmenkunden in der Datenbank. Mancher habe sich auch mal zwischendurch andernorts umgesehen und eingedeckt. „Aber, die sind alle wiedergekommen“, sagt Dinger lächelnd. „Wir wollen den Stammkunden nicht verlieren. Einen einmal gewonnenen Geschäftskunden geben wir nicht mehr her. Da muss man auch mal kulant sein, mit dem Kunden mitwachsen.“

___STEADY_PAYWALL___Das Rezept ging auf: In den letzten Jahren ist Dinger jährlich durchschnittlich um 30 Prozent gewachsen. Das Umsatzplus in der Schweiz betrug zuletzt 40 Prozent. Dort sind neun Mitarbeiter beschäftigt; ein Lager in der Nähe von Basel bedient den Markt. „Oberste Priorität ist Kundenzufriedenheit. Und die zweite Priorität lautet: zu möglichst geringen Preisen“, sagt Dinger. Allerdings: „Im unteren Preissegment brechen in der aktuellen Krise auch Aufträge weg, das ist klar“, sagt Raphael Dinger. Preise, die haben sie bei Dinger früher auch mal fünf Jahre nicht angehoben. In diesem Jahr musste man um einige Prozentpunkte nach oben gehen, und das zweimal. Die steigenden Energiepreise hält man bei Dinger aber bislang für handelbar. „Wir haben zu 85 Prozent höhere Energiepreise, alles in allem. Das ist für uns trotzdem ein im Vergleich kleiner Kostenblock, vielleicht 100.000 Euro mehr“, schätzt Dinger.

Allerdings sind die Lieferanten teilweise härter betroffen. Etwa 50 Prozent des bei Dinger verarbeiteten Materials sind Keramik, 6 Prozent Quarz, der Rest Naturstein. Gerade die energieintensive Keramikproduktion ist vom Erdgas abhängig. Bei Dinger wird gerade in eine Photovoltaikanlage investiert und das 4.000 qm große Produktionsfläche soll um 2.000 qm erweitert werden. In eine neue Produktionslinie, die 2023 ans Netz gehen soll, werden 1,7 Mio Euro investiert. „Wir sind die nächsten zwölf Monate definitiv auf stabilem Niveau unterwegs“, betont Raphael Dinger. In den kommenden sieben bis neun Monaten werden die vollen Auftragsbücher abgearbeitet. „Dann sieht man weiter“, sagt Dinger. Für 2022 geht er von einem Umsatz von 15 Mio Euro aus, 75 Prozent davon werden mit Küchenarbeitsplatten umgesetzt. Einige wenige große Küchenhersteller gehören zu den Kunden: Schmidt Groupe in Frankreich etwa, aber auch ein kleiner wie Burnout Kitchen. „Der Rest, das ist der Küchenfachhandel vor Ort“, sagt Raphael Dinger. Zu den größeren Händler-Kunden gehört beispielsweise der badische Küchenring-Filialist Grimm. Mit dem Kunden wuchs dort das Geschäft – von drei auf neun Filialen, in denen die Platten verkauft werden. Etwa 20 Prozent des Gesamtumsatzes werden in Frankreich gemacht. Auch in Deutschland sehen die Stein-Experten vom Kaiserstuhl noch einige weiße Flecken, die sie bearbeiten wollen. Aktuell arbeiten sie sich weiter Richtung Rhein-Main-Gebiet/Hessen und Rheinland-Pfalz vor. Rock and Roll sozusagen.

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