Sachsenküchen

„Unsere Händler haben uns gezogen“

08. März 2021, 17:33
Elko Beeg, Geschäftsführer Sachsenküchen

Von der „Geheimwaffe des Ostens“ hat sich Sachsenküchen seit der deutsch-deutschen Wiedervereinigung zum Fachhandelslieferanten weiterentwickelt, der nicht nur im Westen Deutschlands, sondern auch im Export große Teile seines Geschäfts macht.

Sachsenküchen-Geschäftsführer Elko Beeg nennt das von ihm geleitete Unternehmen das letzte unabhängige ostdeutsche Küchenmöbelunternehmen. Den Grund dafür sieht er in der engagierten Mannschaft. Beeg: „Durch die Pandemie hat sich nochmals gezeigt: Sich anpassen und verändern können ist wichtig. Das haben wir nach der Wende unter Beweis gestellt und im letzten Jahr nochmal. Und es wird uns auch in Zukunft erfolgreich machen.“

Sachsenküchen hat sich nach der Wende eine Fachhändlerstruktur aufgebaut und ist mit den Händlern gemeinsam gewachsen. „Unsere guten Händler haben uns gezogen“, sagt Beeg. Die Mitarbeiter reden mit den Händlern auf Augenhöhe, sagt er. Das werde honoriert.

Im sächsischen Dippoldiswalde ging das Wachstum vielleicht nicht so rasant voran wie bei anderen, dafür aber stetig und profitabel. Sachsenküchen hat sich nicht nur in Deutschland etabliert. Etwa die Hälfte des Umsatzes von 47 Mio Euro (2020) kommen aus dem Export. Frankreich, Holland, Belgien, Österreich und die Schweiz sind die wichtigsten Auslandsmärkte. Der Inlandsumsatz verteilt sich inzwischen auch etwa hälftig auf Ost und West.

Zwischenzeitlich hatte man mal versucht, die Zweitmarke Oca aufzubauen, die vom Dippoldiswalder Ortsteil Obercarsdorf abgeleitet ist. Der Gedanke war damals, in Westdeutschland oder im Export könne man nicht erfolgreich als Sachsenküchen auftreten. Von dieser Strategie ist man inzwischen aber abgerückt. „Marke wird generell wichtiger“, sagt Elko Beeg. Und da ist es nicht sinnvoll, zwei verschiedene zu pushen. Das Budget müsse konzentriert eingesetzt werden. Beeg: „Wir mussten zu dem Selbstbewusstsein finden, dass ostdeutsche Produktion für Qualitätsprodukte und Tradition steht.“ Unter den Kunden sind schließlich auch um die 30 Händler, die ausschließlich Sachsenküchen als Holzlieferant führen. Die Hälfte von ihnen tritt auch nach außen unter der Marke auf.

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Sachsenküchen Werk 2

In der Produktion bei Sachsenküchen

Beim Preis einer Küche aus Dippoldiswalde gibt es Unterschiede von Region zu Region. Während sie bei langjährigen Kunden noch etwas preiswerter positioniert ist, liegt der Preis in jüngeren Märkten höher. „Wohl fühlen wir uns ab 7.000 Euro VK, natürlich ohne Geräte“, so Beeg. „Manche Händler verkaufen hauptsächlich zwischen 10 und 15.000 Euro, wir haben aber auch Händler mit durchschnittlichen Kommissionswerten über 25.000 Euro.“ Um den Vertrieb von Sachsenküchen kümmern sich in Deutschland und international insgesamt 15 Außendienstler bzw. Handelsagenturen. Neu an Bord ist seit Monatsanfang Marco Wiebusch, der zuletzt für Brigitte unterwegs war.

Kontinuierliche Investitionen

Küchenbauer gab es früher einige im Osten. Die einen gibt es nicht mehr, andere wie Burger Küchen oder Pino gehören mittlerweile zu westdeutschen Unternehmen. „Unsere Gesellschafter haben immer wieder investiert und die Produktion auf dem Stand der Zeit gehalten“, sagt Beeg. Die Gesellschafter, das sind mit 45 Prozent Ballerina-Chef Heinz-Erwin Ellersiek, mit 29 Prozent die Söhne von Hans-Joachim Ebert (Ralf und Alexander Ebert, beide im Unternehmen tätig) sowie mit 26 Prozent Matthias Schmidt, der Enkelsohn von Inge Köhler und Einkaufsleiter im Unternehmen.

Im Laufe der Jahre wurde aus „gut und günstig“ ein hochindividuelles Produkt, für das man auch die entsprechende Fertigungsstruktur aufgebaut hat. „Wir haben uns gefragt: Wo ist der Platz zwischen den Großen. Der Günstigste können wir mit unserer Unternehmensgröße nicht werden, also haben wir uns recht früh mit dem Thema Individualisierung befasst. Auch mit Wohnkonzepten haben wir zeitig begonnen. Wir zählen uns zu denjenigen, die das mit nach vorn getrieben haben“, erklärt Elko Beeg.

Mehr Kapazitäten

Losgröße 1 war bei Sachsenküchen erstmals im Jahr 2007 Thema. Der Weg wurde dann peu à peu beschritten. Seit 2018 wird jedes Stück Holz kundenspezifisch produziert - Stückzahl 1 wurde in der Korpusfertigung umgesetzt. In diesem Jahr ist eine vollautomatische Kommissionierung für Korpusteile dran und 2022 dann eine neue Montagelinie. Für diese Investitionen nimmt Sachsenküchen zusammen um die 12 Mio Euro in die Hand. Nebeneffekt der Modernisierungsinvestitionen ist eine Kapazitätserweiterung um 25 bis 30 Prozent.

Die Fertigungstiefe ist hoch: Im Werk 1 des Unternehmens werden 80 Prozent aller Fronten selbst produziert, ebenso Arbeitsplatten. Auch eine eigene Lackierung befindet sich dort. Im Werk 2 sind Korpusteilefertigung und Montage angesiedelt.

Küche aus dem VEB Holz Schmiedeberg

Inge Köhler und Hans-Joachim Ebert

Inge Köhler und Hans-Joachim Ebert

Die Historie von Sachsenküchen reicht weit zurück: Möbel werden seit 1908 hergestellt, Küchenmöbel seit 1920. Nach dem zweiten Weltkrieg ging es zunächst darum, den steigenden Bedarf zu decken. „Schnell und viel“ war die Devise. In der DDR wurde der Betrieb dann 1955 zum VEB-Werk. Anders als viele Möbelhersteller in der damaligen Kombinatsstruktur lieferte Sachsenküchen aber nicht nur einzelne Bauteile, sondern produzierte ganze Küchen. Man belieferte „nichtsozialistisches Gebiet“, sprich: Neckermann und Co. in der BRD. Das hatte den Vorteil, dass ein Teil der eingenommenen Devisen für Investitionen aufgewendet werden durfte. Bereits damals konnten also schon Homag-Maschinen angeschafft werden.

Nach der Wende wurde Sachsenküchen zum Treuhandbetrieb. Das damalige Management mit Inge Köhler (seit ihrem 16. Lebensjahr im Unternehmen) und Hans-Joachim Ebert (seinerzeit als technischer Direktor eingestiegen) machte sich auf Investorensuche. So manches bekannte Gesicht aus der Branche schaute in Dippoldiswalde vorbei. Und irgendwann stand auch Heinz-Erwin Ellersiek in der Tür. Folgender Satz aus seinem Mund ist überliefert: „Die Bude ist Mist, aber die Menschen gefallen mir.“ Zusammen mit Köhler und Ebert übernahm Ellersiek die Anteile, brachte das Unternehmen auf Vordermann. Ellersiek brachte dabei auch das Knowhow mit, das man brauchte, um die Firma unter den neuen, marktwirtschaftlichen Bedingungen fit zu machen.

Geschäftsführer Elko Beeg, früher bei Oka Büromöbel, ist seit 2007 im Unternehmen. Der Kontakt zu den Gesellschaftern kam seinerzeit über den sächsischen Branchenverband zustande. Heute sagt er: „Der Mix aus Bewahren und neuen Strukturen hat uns dahin gebracht, wo wir sind.“ Auch in diesem Jahr rechnet Beeg noch mit einem moderaten Wachstum, im zweiten Halbjahr eventuell mit einer Abschwächung. Zuletzt war der Auftragseingang trotz des mehrmonatigen Lockdowns gut. Das lag zum einen daran, dass im vergangenen Jahr aufgeschobene Objekte nachgeholt wurden, andererseits aber auch an guten Auftragseingängen aus dem Fachhandel.

In diesem Jahr rechnet Sachsenküchen übrigens fest mit der Herbstmesse im Kitchen Center Löhne. 2020 war die Messe wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt worden.

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