Sex sells: Küchenstudio-Betreiber führt auch einen Swingerclub

Küchen Geisler

Sex sells

18. August 2022, 16:40
René Geisler

In der Nähe von Cottbus führt René Geisler ein Küchenstudio. Im Jahr 2021 konnte er doppelt so viel umsetzen, wie sonst. Zu den Stammkunden aus der Umgebung kommt auch der ein oder andere Westdeutsche. Kunden, die Geisler über sein zweites Unternehmen kennengelernt hat – den Swingerclub „Schloss Milkersdorf“. Ein Porträt.

„Wir waren die absoluten Corona-Gewinner“, sagt René Geisler. In Zahlen: Von 2020 auf 2021 hat sich der Umsatz seines Küchenstudios verdoppelt. Seit fast 30 Jahren ist Geisler in der Küchenbranche unterwegs. In Neuhausen/Spree, etwa 15 Minuten Fahrzeit zum Cottbusser Stadtzentrum, genau zwischen Dresden und Berlin gelegen und etwa 30 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt, ist Küchen Geisler, nahe der Bundesstraße zu finden.

Die Sonderkonjunktur, die Corona der Branche beschert hat, die konnte er nutzen. Dazu mussten der 57-jährige Inhaber und sein Team improvisieren. Die Lieferschwierigkeiten in der Industrie waren natürlich zu Beginn der Pandemie auch für Geisler ein Problem. „Die Abwicklung der Aufträge, das war zunächst eine Katastrophe. Aber, als ehemaliger DDR-Bürger kennt man das Thema ja noch“, erinnert er sich. „Da kam mir meine alte DDR-Mentalität zugute. Damals war ja auch stets Frage, wo kriege ich etwas her?“ Das Wo und auch das Wie hat er dann gelöst. „Wir haben uns Ware für fast 200.000 Euro ans Lager gestellt. Damit sind wir dann recht gut durch die Zeit gekommen“, so Geisler. Insgesamt 18 Mitarbeiter beschäftigt Geisler. Die Ausstellung im ursprünglich 250 qm großen Küchenstudio hat er kurz vor Corona noch auf 750 qm verdreifacht. „In den Ausbau haben wir 1,5 Mio Euro investiert“, sagt der Inhaber.___STEADY_PAYWALL___

Fast seit der Gründung ist Geislers Küchenstudio Mitglied bei Garant Küchen Areal. „Nolte war schon früh einer unser wichtigsten Lieferanten. Über Nolte sind wir dann quasi bei Garant gelandet“, sagt Geisler. Auch der Weg in die Küchenbranche war eher zufällig. Eine typische (Nach-)Wende-Geschichte: „Ich hatte zur DDR-Zeiten Jura studiert und wäre 1990 fertig gewesen. Dann kam der Mauerfall und der Großteil des Studiums wäre nicht anerkannt worden. Da im Mai 1989 unser großer Sohn geboren wurde, war klar: Ich muss Geld verdienen.“ Bei einem verwandten Innenarchitekten lernte René Geisler von der Pike auf. „Dann habe ich zeitnah mein Küchenstudio in Cottbus eröffnet. Das waren Goldgräber-Zeiten. Und Küche, das kam so gleich nach Versicherungen verkaufen“, erinnert er sich. Früher betrieb Geisler zwei Küchenstudios, seit einiger Zeit hat er sich auf ein Haus konzentriert. Die Hauptlieferanten sind nach wie vor Nolte, Schüller (Next 125) und, fürs Alltagsgeschäft, Nobilia. Weitere Lieferanten sind beispielsweise Siemens, Naber, Blanco, Quooker, Berbel, Bosch, Miele, Bora, Neff oder Samsung. In den letzten Jahren ging deutlich mehr an Stein, Dekton und Quarzkomposit über die Ladentheke. Auch Abluft, Umluft und Dunstabzugshauben sind Themen, die in der Beratung wichtiger geworden sind.

Für 2021 ist Geisler absolut zufrieden. „Wir haben uns ein wenig gefühlt, wie Biontech oder die Rewe, also als Gewinner in der Pandemie. Bei uns gingen die Umsätze durch die Decke. Das war ein fetter Boom, anders kann ich es nicht sagen. Normal setzen wir im Jahr etwa 2 Mio Euro um. 2021 lag der Umsatz bei 4 Mio Euro.“ 

Und, wie ist sie jetzt, die Lage? „Scheiße“, kommt die erste spontane Antwort, ruhig und sachlich. Geisler ist nicht der Typ, der laut schimpft und meckert, deutlich wird er aber schon. Er erklärt es so: „2022 ist ein schwieriges Jahr für uns. Uns ist der 6.000-Euro-Kunde weggebrochen. Das sind die Kunden, die 2.000 Euro auf der Kante haben, 2.000 Euro von Oma bekommen und sich 2.000 Euro leihen. Dieser Kunden-Typ ist komplett weggefallen. Das ist natürlich zum Kotzen.“ Natürlich gibt es auch bei Geisler Kunden, die deutlich mehr ausgeben, aber eine wichtige Zielgruppe zögert derzeit ganz offenbar bei den Ausgaben. Das Geschäft im Osten Deutschlands läuft auch anders als etwa in München. „Unser Durchschnittsumsatz pro Kommission ist etwas niedriger als in Baden-Württemberg oder Bayern, da ist schon ein Unterschied. Man merkt, dass das meiste Geld im Westen ist, nicht im Osten.“ Für die Beratung, die größtenteils nicht digital stattfindet, ist er optimistisch, dass die Expertise der Fachhändler weiter gewünscht und gesucht ist. „Ich denke nicht, dass Küchenverkäufe komplett ins Netz abwandern. So etwas ist einfach beratungsintensiv. Wir haben zwar auch seit sieben Jahren einen Onlineshop; aber der ist primär für Ersatzteile und Zubehör gedacht.“

Neben dem Küchenstudio ist Geisler seit etwa 20 Jahren auch anderweitig als Unternehmer aktiv. Zusammen mit Ehefrau Sabine – sie ist Verkaufsleiterin im Küchenstudio – führt er seit 2003 „Schloss Milkersdorf“ in Kolkwitz. Hier sind drei Festangestellte sowie etwa 15 geringfügig Beschäftigte angestellt. Mit dieser Unternehmung ist Geisler immer wieder in den Medien, zuletzt etwa im Spiegel. Schließlich ist das Schloss ein Swingerclub. „Wir nennen es Lifestyle Club. An den Wochenenden ist der Club geöffnet“. Zu Beginn sei das Ganze für die Umwelt wesentlich aufregender gewesen. „Früher war das was für Mutige. Inzwischen sind Swingerclubs ja auch wesentlich akzeptierter, etwas Normales. Die Zeiten haben sich eben auch gewandelt“, sagt er. An Freitagen oder Samstagen ist das „Schloss Milkersdorf“ geöffnet. Motto: (fast) alles kann, nix muss. „Wir bedienen alle Sinne, wollen, dass sich Einzelgäste oder Paare wohlfühlen. Bei uns geht es nicht bloß um platten Sex. Wir sind schließlich keine Bums-Bude. Etwa 12.000 Übernachtungen haben wir bislang gezählt“, sagt Geisler am Telefon. Übernachtungsgäste für die lokale Hotellerie, Kunden für den Handel vor Ort: Durch den Club profitiere die Gemeinde. Im Alltagsgeschäft, im Küchenstudio, spiele all das keine Rolle. „Klar, Sex sells. Aber, wir betreiben da kein Marketing in dieser Richtung. Das sind zwei komplett getrennte Geschäfte. Und hier in der 100.000-Einwohner-Stadt ist das bekannt und akzeptiert. Schließlich nehmen wir auch an öffentlichen Ausschreibungen teil.“ 

Den ein oder anderen Gast des Swingerclubs hat er aber auch schon als Kunden für das Küchenstudio gewinnen können. „Das ist einfach entspannt, man unterhält sich abends darüber. Und wenn derjenige möchte, machen wir natürlich einen Termin im Geschäft ab.“ Auf diese Weise kamen also schon Kunden aus Stuttgart oder München nach Cottbus. Das Gros der Stammkunden komme aus dem Westen der Republik. Hinzu kämen Holländer, Tschechen, Dänen oder Schweden.

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