Ein Nachruf auf die ZOW

ZOW

Ein Nachruf

24. März 2022, 14:44
Die ZOW in ihren Glanzzeiten

So richtig gezogen hat die ZOW schon seit Jahren nicht mehr. Trotzdem wurden wehmütige Stimmen laut, als die Kölnmesse am vergangenen Freitag unter der Überschrift „ZOW wird vorerst ausgesetzt“ das Ende der einst so beliebten ostwestfälischen Zuliefershow verkündete. Für 2024 überdenke man „mögliche neue Formate“, heißt es aus Köln.

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Schwer getan hat die ZOW sich schon unter ihrem Vorbesitzer Clarion. Die Engländer hatten dem ZOW-Gründer Peter H. Meyer und seiner Survey im Frühjahr 2010 die deutschen Messeaktivitäten abgekauft, nachdem Survey sich bei seiner internationalen Expansion verkalkuliert hatte. Mit Standortwechseln (von Pordenone nach Verona, von Madrid nach Valencia, innerhalb von Shanghai und innerhalb von Moskau) und Terminverschiebungen wie in Istanbul wurden funktionierende Veranstaltungen geschwächt. In Deutschland konzentrierten sich immer mehr Aussteller auf die Interzum.

Einfacher wurde es auch unter Clarion nicht. Die Glanzzeiten mit 710 Ausstellern und über 15.000 Besuchern in Bad Salzuflen waren vorbei. Die auf wenige Hallen zusammengeschrumpfte Regional- Schau wurde 2016 an die Kölnmesse übergeben, die auf einen Zweijahresrhythmus umstellte und als Trumpf die gemeinsame Vermarktung von Interzum und ZOW in der Tasche zu haben schien. Half nichts. 2020 kamen unter Kölnmesse-Regie nur noch 111 Aussteller und 2.631 Besucher. Für Februar 2022 hatten dann noch gut 50 Aussteller zugesagt, Corona-bedingt musste auf Mai verschoben werden, große Namen wie Salice zogen sich zurück und die Kölnmesse zog einen Schlussstrich. Vielleicht war es der Mai-Termin, der der ZOW den Todesstoß verpasst hat. Die wesentlichen Produktentscheidungen für den Herbst werden in den nächsten Wochen abgeschlossen.

Trotzdem wären einige Aussteller wie der Melaminkantenhersteller Kröning oder Decor Druck Leipzig (DDL) dabei gewesen. Stefan Gillmann von DDL sagt: „Für uns war die Messe immer recht erfolgreich, auch wenn sie zuletzt klein war. Die Kastenmöbelindustrie aus der Umgebung ist gekommen.“ Kröning- Vertriebsleiter Michael Recke: „Wir hätten trotzdem die Fahne hochgehalten. Für uns als kleines Unternehmen war die ZOW eine sehr komfortable Messe, weil man sich nicht um die Peripherie kümmern musste.“ Kröning erinnert sich noch gut an die Glanzjahre der ZOW, als das Who‘s who der Branche über die Stände drängte. Und an die Anfänge im Haus Aussel und dann in Rietberg. 1995 nämlich fand die erste „echte“ ZOW mit 49 Ausstellern im Musterring-Ausstellungszentrum statt. Das Konzept mit vorgefertigten einheitlichen Ständen und inkludiertem Catering, an dessen Entwicklung die Industrie mitgewirkt hatte, war damals einmalig.

Gescheitert ist die ZOW gewiss nicht am Termin allein. „Für 30.000 Euro Investition mit allem Drum und Dran muss ich eine halbe Million Umsatz reinholen“, sagt ein abgesprungener Aussteller, der nun ersatzweise mit einem Showtruck auf Tour gehen will. „Die Kundschaft ist messemüde. Natürlich will man nach der Corona-Zeit raus und Kontakte knüpfen, aber es braucht einen anderen Ansatz“. Kröning-Mann Recke sieht es ähnlich: „Die Zeiten, in denen auf der Messe ein Dekor auf einer Staffelei enthüllt wurde, sind längst vorbei. Mit den großen Kunden tauschen Zulieferer sich doch die ganze Zeit aus.“ Oder man entwickelt gleich mit ihnen zusammen.

„Wir haben andere Zeiten und es war zum Schluss ja schon alles anders. Heute gibt es neue Formate wie zum Beispiel die Interior Days“, sagt Katrin de Louw, die mit ihrer Agentur Trendfilter Sonderflächen für die ZOW gestaltet hat – und bereits als Studentin auf der Messe gejobbt hatte. Heuer werden sich Aussteller und Einkäufer auch aus der deutschen Industrie noch mehr als sonst auf die Sicam in Pordenone fokussieren. Für Zulieferer, die gern in OWL auch unterjährig präsent wären, hat das 2007 auf Initiative von de Louw als Servicepoint A30 gegründete Furniture Future Forum auch noch einzelne Kojen frei. Seit Pandemie-Beginn waren die gemeinschaftlichen Events der dortigen Aussteller (u.a. Christian Kröger, Continental, Furnipart, Hera, Linak, Neelsen, Schattdecor oder Sonae Arauco) kleiner ausgefallen. „Wir wollen jetzt aber wieder größer werden“, sagt de Louw. 600 qm Ausstellungsfläche stehen zur Verfügung, wo aber ausschließlich Neuheiten gezeigt werden sollen. Im Vordergrund stehen die Events nach dem Motto „Industry at work“ – womit wir wieder bei den Anfängen der ZOW angelangt wären.

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