Küchenquelle beim Amtsgericht

Küchenquelle

Reißleine

24. November 2022, 9:03
Neues Quartier im Hansapark

Die Zeiten sind rauer geworden. Das trifft aktuell natürlich vor allem Firmen mit nicht ganz so solider Basis, die Dauerrestrukturierer der Branche wie Hülsta oder den Küchenbauer Rational.

Am Mittwochnachmittag hat laut INSIDERn auch Küchenquelle seine Mitarbeiter und Lieferanten über einen Gang zum Amtsgericht informiert, zunächst telefonisch. Ein vorläufiger Verwalter stand heute am Morgen noch nicht fest, so die Info vom Nürnberger Amtsgericht. Es spricht sich schnell rum im Markt. Da aufgrund der Zusammenführung von zwei Portalen bis zum Ende des Monats Insolvenzbekanntmachungen elektronisch nicht veröffentlicht werden können, wird der noch zu bestellende Verwalter alle Gläubiger wohl direkt informieren.

Aus Nürnberg traf am Donnerstagvormittag folgende Bestätigung ein: "Ja, es stimmt die Küchen Quelle GmbH hat am 23. November Insolvenzantrag gestellt. Dieser Antrag wird im nächsten Schritt von einem Insolvenzverwalter bzw. Insolvenzgericht geprüft. Nach dieser Prüfung erfolgt eine Entscheidung über die nächsten Schritte. Mehr können wir dazu aktuell nicht sagen."

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Küchenquelle arbeitet seit Jahren am Turnaround. Dass der Auftragseingang im Herbst marktbedingt massiv eingebrochen ist, in Nürnberg laut Buschfunk sogar noch stärker als anderswo, dürfte diesen Prozess kaum unterstützt haben. Dazu beigetragen haben laut Mitarbeitern aber auch schlechte Kundenbewertungen, die u.a. durch die inzwischen gelösten Lieferprobleme bei Geräten und fehlerhafte Montagen zustande kamen. Auch bei uns in der INSIDE-Redaktion kam der ein oder andere Brandbrief von wütenden Küchenquelle-Kunden an, die sich vom Kundenservice zudem nicht gut unterstützt sahen.

Im Frühjahr noch war aus Nürnberg ein Jahresumsatz von 125 Mio Euro und eine Zahl von rund 300 Mitarbeitern genannt worden. Wenn einer der größten und bekanntesten Küchenvermarkter des Landes in Schieflage gerät, ist das nicht nur unangenehm für die Lieferanten wie BSH, Elux, Nobilia oder Häcker, sondern eine Katastrophe für die gesamte Branche. Das wird auch bei Endverbrauchern ein Echo hervorrufen. Und, man kennt es aus vergangenen Händler-Insolvenzen, wenn Endkunden Anzahlungen geleistet haben, die plötzlich futsch sind, wird sowas nochmal mehr zum Thema.

Seit dem Zusammenschluss mit Kiveda im Jahr 2013 ist Küchenquelle nicht zur Ruhe gekommen. Es gab diverse Führungs- und Strategiewechsel, die früheren Macher Bernd Warnick und Julian Strosek, der von Kiveda dazugestoßen war, sind längst nicht mehr an Bord. Die Zentrale befindet sich inzwischen einem ultramodernen Komplex von Geschäftsräumen, das Kiveda-Geschäftsmodell ist längst aufgegeben, zuletzt auch die stationären Geschäfte.

Der neue Großaktionär EMMA Capital, der im letzten Sommer dazustieß, hatte das Ziel ausgegeben, unter dem Dach der Home Furniture Group den gesamten Einrichtungsbereich zu erschließen. Für die Vermarktung von Produkten rund um die Küche wurde ein Marktplatz aufgebaut.

Auf das Quelle-Geschäftsmodell Daheimberatung sind seit der Pandemie auch andere große wie Lutz und Höffner aufgesprungen. Davon zeigte man sich in Nürnberg zuletzt wenig beeindruckt und verwies auf sein besonderes Asset, die Hololens-Brille für die Küchenplanung mit Mixed Reality.

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