Electrolux

Modulares Denken

23. Juni 2022, 19:20
Simon Bradford

Neue Ideen für den Hausgerätemarkt zu entwickeln ist keine einfache Sache. Simon Bradford, Chefdesigner von Electrolux, hat sich mit seinem Team dennoch daran gemacht, Küche einmal komplett neu zu denken. Erste Ansätze konnte man jetzt auf der Eurocucina in Mailand sehen. Wir haben uns in die lombardische Metropole aufgemacht und auf der Messe Bradford zu einem kurzen Interview getroffen. Dabei sprach er über die Hintergründe des neuen Konzepts, das die Schweden GRO nennen,  über pflanzliche Ernährung, das Know-how unserer Großeltern und darüber, warum der Kühlschrank der Zukunft einfach anders aussehen muss.

 

INSIDE: Warum haben Sie sich als Chefdesigner von Electrolux die Arbeit gemacht, ein neues Konzept für die Aufbewahrung von Lebensmitteln zu entwerfen?
Simon Bradford: Als Hausgeräte-Hersteller mit einem Output von 60 Millionen Geräte im Jahr haben wir eine riesige Verantwortung. Und es ist kein Geheimnis, dass ein Drittel der Lebensmittel weggeworfen wird, sowohl im Herstellungsprozess als auch in den Haushalten der Menschen. Hinzukommt: Die Lebensmittelbranche ist für ein Drittel aller Treibhausgase verantwortlich.

Wie wollen Sie die Welt retten?
Bradford: Wir wollen die Gelegenheit nutzen, einen Beitrag dafür zu leisten, dass sich das ändert. Was wir hier in Mailand präsentieren, ist ein Konzept für eine Küche für die nächsten zehn Jahre. Es zeigt, dass wir unsere Nutzer dazu ermutigen können, ein nachhaltigeres Leben zu führen, für den Planeten und für sich selbst.

Wie soll das gehen?
Bradford: Es bedeutet, mehr pflanzliche Lebensmittel zu essen und sich vielfältiger zu ernähren. Es gibt bis zu 300 Pflanzenarten, die wir regelmäßig essen können. Wir essen aber nur einen Bruchteil davon. Die drei Pflanzen Weizen, Reis und Mais decken 50 Prozent in der weltweiten Ernährung ab. Außerdem müssen wir überlegen, wie wir weniger Lebensmittel wegwerfen.

Das liegt doch daran, dass sie meist falsch gelagert werden.
Bradford: Ja, unsere Großeltern wussten sehr wohl, dass zum Beispiel Kartoffeln im Keller unter dem Haus im Dunkeln bei etwa 10 bis 12 Grad aufbewahrt werden müssen. Licht, Temperatur, Feuchtigkeit – das alles spielt eine Rolle bei der richtigen Konservierung von Lebensmitteln. Wurzelgemüse muss im Dunkeln bei etwa zehn Grad aufbewahrt werden. Grünes Gemüse, wie Salate, Brokkoli, Zucchini und so weiter, sollte bei vier oder fünf Grad aufbewahrt werden. Und Körner mit hoher Luftfeuchtigkeit wie Nüsse und dergleichen lassen sich leicht einfrieren, ohne dass sie ihren Nährwert verlieren, wenn man sie wieder auftaut.

___STEADY_PAYWALL___

Wo sehen Sie nun Ihre Aufgabe?
Bradford: Es ist unmöglich, jede Zutat unter optimalen Bedingungen aufzubewahren, ein Kühlschrank kann das einfach nicht leisten. Aber wir haben einen Kompromiss gefunden und den Archetyp des heutigen Kühlschranks aufgelöst und ein modulares Küchensystem entwickelt. Jedes Modul ist als Teil eines Mosaiks so konzipiert, dass es die Aufbewahrungsbedingungen für die darin befindlichen Zutaten perfekt optimiert.

Aber so vielfältig sieht der Speiseplan der meisten Menschen gar nicht aus, dass man so viele Module bräuchte. Oder täusche ich mich?
Bradford: Wir werden kaum eine andere Wahl haben. Vor einigen Jahren haben sich einige Wissenschaftler aus der ganzen Welt zusammengesetzt und Empfehlungen gegeben, wie wir unsere Ernährung und die Art, wie wir essen, ändern müssen, um den Klimawandel zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen. Und im Grunde – und das ist sehr interessant – haben sie als Maßeinheit einen Teller genommen, Wenn man sich diesen Teller heute anschaut, besteht ein großer Teil des Tellers aus tierischem Eiweiß und ein paar Kohlenhydraten. Und diese Empfehlung besagt, dass der Teller der Zukunft, die gar nicht mehr so lange auf sich warten lässt, mindestens zur Hälfte aus pflanzlichen Zutaten und nur zu 13 Prozent aus tierischem Eiweiß bestehen sollte, also aus Fleisch, Fisch, Eiern, Käse, Milch und so weiter.

Also lautet Ihre Fragestellung: Wie würde die Küche aussehen, wenn der Teller nicht mehr überwiegend aus Fleisch und Kohlenhydraten bestünde, sondern hauptsächlich aus Pflanzen?
Bradford: Genau.

Aber sind Sie sicher, dass die Verbraucher ihren Speiseplan auf diese Weise ändern werden?
Bradford: Studien zeigen, dass die Frage, ob man liebsten nachhaltig leben und eine bessere Welt für seine Kinder und Enkelkinder vorfinden möchte, von den meisten Menschen mit ja beantwortet wird. Und das wird sich auch auf die Essgewohnheiten auswirken. Wir drängen diese Veränderung niemanden auf. Wir helfen den Menschen nur, diese neue, nachhaltige Lebensweise anzunehmen.

Sind dabei neue Technologien im Einsatz?
Bradford: Nein, tatsächlich nicht, da ist keine Raketentechnologie im Einsatz. Es geht eher darum, die Küche aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und eine Roadmap zu entwerfen, wo wir als Unternehmen hinwollen. Zumindest glauben wir, dass die Zukunft der Küche nicht in der „Smartness“ liegt, sondern in der „Thoughtfulness“. Ich denke, das ist ein wichtiger Unterschied.

GRO Electrolux Simon Bradford

Verwandte Artikel

Newsletter

INSIDE Wohnen Verlag GmbH
Destouchesstr. 6
80803 München

Telefon: (089) 38 35 670
Telefax: (089) 34 21 24

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Vertrieb
Projekte